Nicht weit entfernt vom Rheinischen Braunkohlerevier bin ich aufgewachsen. Die Umsiedlung von Ortschaften und der Verlust sozialer Bindungen in den Dorfgemeinschaften waren Themen eines frühen Films. Nachdem ich in den 1990er Jahren 12 Monate in Bolivien gelebt hatte, begann ich, den Kampf um Rohstoffe im Kontext von Kolonialismus und globaler Gerechtigkeit zu verfolgen.
Auf den Salzebenen Boliviens hat der industrielle Rohstoffabbau noch nicht begonnen. Die Erzählung in MATERIA PRIMA kann sich daher auf die Erwartungen der Beteiligten und die Verhandlungen zwischen ihnen konzentrieren. Welches Bild haben die Akteure voneinander? Welche Rolle spielt die Erfahrung des Kolonialismus in ihrem Denken und bei ihren Entscheidungen? Wie interagieren die verschiedenen Seiten miteinander? Welche Form der Beteiligung der lokalen Bevölkerung wird angestrebt, und von wem? Ist nachhaltiger Bergbau möglich oder ein Widerspruch in sich? Diese Fragen bilden den Rahmen für die Arbeit an dem Film.
Die Produktion des Films dauerte fast sechs Jahre. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem Film LA BUENA VIDA (2015), der im Norden Kolumbiens gedreht wurde, bauten wir zunächst ein Netzwerk von Kontaktpersonen und Partnern in Bolivien auf. Durch die angespannte und stark polarisierte politische Lage im Land war dies ein langwieriger Prozess, der parallel zur Finanzierungsphase des Films stattfand und gut drei Jahre dauerte. Durch diese Netzwerkarbeit erhielten wir Zugang zu allen Beteiligten: Dorfgemeinschaften, EU-Diplomaten, EU-Unternehmern, bolivianische Regierung. Als Ergebnis ist eine multiperspektivische Erzählung entstanden.
Während der Produktionszeit verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung gravierend. Benzin und Diesel wurden knapp, Lebensmittel immer teurer, Straßensperren legten ganze Regionen lahm, in La Paz versuchte das Militär einen Putsch. Viele Menschen, darunter auch Teammitglieder und Protagonisten, waren zeitweise mit täglich wechselnden Lebensumständen konfrontiert. Planung und Durchführung der Dreharbeiten waren unter diesen Umständen außerordentlich schwierig. Die Höhenlage der Drehorte zwischen 3.500 und 4.500 Metern über dem Meeresspiegel erforderte zudem eine zeitintensive Vorbereitung, um die Teammitglieder vor Höhenkrankheit zu schützen.
Einige unserer Protagonisten leben unter prekären Bedingungen. Durch sorgfältige Vorbereitung und intensive Kommunikation vor, während und nach den Dreharbeiten, unterstützt von unseren bolivianischen Teammitgliedern, haben wir versucht, keine eurozentrischen Perspektiven zu reproduzieren, voyeuristische Momente zu vermeiden und die Würde jedes Einzelnen zu respektieren.